Während eines laufenden Spiels erlaubt § 21 Abs. 4 GlüStV 2021 ausschließlich Wetten auf das Endergebnis und, in Sportarten mit wenigen Toren oder Sätzen, auf das nächste Tor oder den nächsten Satz. Die Regeln für Live-Wetten in Deutschland beschränken das Angebot stark. Zwei Zahlen gehören dazu: Nur 1,2 % der Befragten haben im vergangenen Jahr live gewettet, doch unter ihnen haben 27,0 % eine Glücksspielstörung.
Die Halbzeitpause beginnt, das Smartphone liegt auf dem Tisch, und auf dem Display erscheint eine neue Möglichkeit: das nächste Tor. Die erste Wette des Abends ist verloren, die nächste ist mit wenigen Berührungen des Bildschirms platziert. Zwischen beiden liegen Minuten, nicht Tage. Auf genau diese Abfolge zielt die Begrenzung von Wetten während des Spiels, die die GGL mit der erhöhten Suchtgefahr begründet.
Dieser Beitrag zeigt, was der Glücksspielstaatsvertrag 2021 während einer Partie zulässt, wie die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) die Begrenzung begründet und welche Schutzmaßnahmen unabhängig von der Wettart gelten.
Live-Wetten in Zahlen: wenige wetten, viele sind betroffen
Der Glücksspiel-Survey 2025 des ISD Hamburg (Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke; veröffentlicht im März 2026) beruht auf Antworten von 12.340 Menschen, die zwischen dem 4. August und dem 26. November 2025 befragt wurden. Live-Sportwetten abgeschlossen haben in den vergangenen zwölf Monaten 1,2 % der Befragten zwischen 16 und 70 Jahren, bei Männern 2,0 %, bei Frauen 0,3 %. Unter diesen Live-Wettenden liegt der Anteil mit einer glücksspielbezogenen Störung nach den Kriterien des DSM-5 bei 27,0 %.
Beide Zahlen gehören zusammen. Die Teilnahme allein sagt wenig über das Risiko, und der Störungsanteil allein erweckt den Eindruck eines größeren Problems, als es der Blick auf alle Befragten zeigt. Zum Vergleich: In der gesamten befragten Bevölkerung liegt der Anteil bei 2,2 %, gemessen allerdings an einer anderen Grundgesamtheit, denn das Screening erfasst nur 18- bis 70-Jährige. Sportwetten mit festen Quoten schlossen insgesamt 2,6 % ab; bei Live-Wetten war der Kreis also kleiner.
Wie hoch der Störungsanteil bei Wetten vor dem Anpfiff ausfällt, weisen die hier ausgewerteten Quellen nicht aus. Ein Vielfaches lässt sich deshalb nicht berechnen, und es wird hier auch keines behauptet. Zu den höchsten Anteilswerten gehören laut Survey virtuelle Automatenspiele (32,5 %) und Live-Sportwetten (27,0 %), daneben nennt es weitere Formen mit ähnlich hohen Werten.
Die 27,0 % sind ein Anteil unter denjenigen, die live wetten. Sie beschreiben kein Risiko für den Einzelnen. Auch eine Ursache lässt sich aus ihnen nicht ablesen, denn eine Querschnittsbefragung zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen: Sie sagt nicht, ob Live-Wetten eine Störung fördern oder ob Menschen mit einer Störung eher live wetten.
Am häufigsten wetten laut Survey 21- bis 25-Jährige (2,4 %) und 26- bis 35-Jährige (2,3 %). Bei den 16- und 17-Jährigen steht 1,0 % in der Auswertung, bei kleiner Fallzahl, weshalb sich daraus nichts verallgemeinern lässt. Wetten von Minderjährigen sind ohnehin nicht vorgesehen: Nach § 4 Abs. 3 GlüStV 2021 ist die Teilnahme von Minderjährigen unzulässig.
Die Regeln für Live-Wetten in Deutschland: § 21 Abs. 4 im Wortlaut
Was während einer Partie angeboten werden darf, regelt § 21 Abs. 4 GlüStV 2021. Satz 2 lautet in der zuletzt am 24.03.2022 geänderten Fassung:
„Während des laufenden Sportereignisses dürfen ausschließlich Wetten abgeschlossen werden, die Wetten auf das Endergebnis oder Wetten auf das nächste Tor, den nächsten Satz oder einen ähnlichen Bestandteil eines Endergebnisses in Sportarten, in denen regelmäßig nur eine geringe Gesamtanzahl dieser Ereignisse im Laufe des Sportereignisses auftritt, insbesondere im Fußball, Hockey, Eishockey oder Volleyball, sind.“
Drei Dinge stehen in diesem Satz. Erstens macht das Wort „ausschließlich“ aus der Aufzählung eine geschlossene Liste. Für Sie bedeutet das: Was nicht genannt ist, ist während des laufenden Sportereignisses nicht vorgesehen.
Zweitens ist die Wette auf das Endergebnis stets zulässig. Drittens sind das nächste Tor, der nächste Satz oder ein „ähnlicher Bestandteil eines Endergebnisses“ nur in Sportarten vorgesehen, in denen „regelmäßig nur eine geringe Gesamtanzahl dieser Ereignisse“ auftritt. Fußball, Hockey, Eishockey und Volleyball nennt das Gesetz als Beispiele („insbesondere“), also nicht abschließend. Ob ein Ereignis als selten gilt, entscheidet sich also an der Sportart.
Der Begriff „Ereigniswette“ kann in diesem Zusammenhang zu Missverständnissen führen. § 21 Abs. 1 GlüStV 2021 unterscheidet Ergebniswetten, also Wetten auf das Ergebnis eines Sportereignisses oder von Teilen davon, und Ereigniswetten, also Wetten „auf einzelne Vorgänge während des Sportereignisses“. Beide Arten können erlaubt werden. Ereigniswetten sind demnach nicht grundsätzlich verboten. Eingeschränkt ist, was während des laufenden Ereignisses angeboten werden darf, und das regelt Absatz 4.
Hinzu kommt, dass jede Art von Sportwette vorab von der Behörde zugelassen sein muss: Sportwetten „dürfen nur angeboten werden, wenn diese nach Art und Zuschnitt zuvor von der zuständigen Behörde erlaubt worden sind“ (§ 21 Abs. 5 Satz 1). Welche Regeln der Glücksspielstaatsvertrag 2021 insgesamt für Sportwetten aufstellt, ist ein eigenes Thema. Gewinne aus Wetten dürfen nach Angaben der GGL zudem erst „nach offiziellem Ende des Sportereignisses“ ausgezahlt werden.
Welche Live-Wetten sind erlaubt – und welche nicht?
Erlaubt sind während des Spiels Wetten auf das Endergebnis und auf seltene Vorgänge, etwa das nächste Tor im Fußball oder den nächsten Satz im Tennis. Nicht erlaubt sind Wetten auf häufige Ereignisse wie den nächsten Korb im Basketball. So fasst es die GGL in ihren Erläuterungen zusammen (Stand der Seiten: 21.10.2025 und 23.06.2026).
Die Behörde formuliert es so: „Livewetten dürfen nur auf das Ergebnis des Sportereignisses und auf seltene Vorgänge während des Sportereignisses abgegeben werden, damit nicht zu häufig gewettet wird.“ Ihre Beispiele lassen sich in einer Übersicht zusammenfassen.
| Wette während des Spiels | Einordnung durch die GGL | Maßstab |
|---|---|---|
| Endergebnis des Sportereignisses | erlaubt | Ergebnis |
| nächstes Tor im Fußball | erlaubt | seltener Vorgang |
| nächster Satz im Tennis oder Volleyball | erlaubt | seltener Vorgang |
| nächster Korb im Basketball | nicht erlaubt | häufiges Ereignis |
| nächster Punktgewinn in Tennis oder Volleyball | nicht erlaubt | häufiges Ereignis |
| nächstes Tor im Handball | nicht erlaubt | laut GGL nicht zulässig |
Die Tabelle gibt Beispiele der Behörde wieder und ist kein vollständiger Katalog. Welche Wettmärkte je Sportart im Einzelnen zugelassen sind, steht im Sportwettprogramm der GGL, das hier nicht ausgewertet werden konnte. Deshalb nennt dieser Text keine weiteren Märkte. Auffällig ist, dass das Gesetz Tennis nicht unter seinen Beispielen aufführt, die GGL den nächsten Satz im Tennis aber ausdrücklich nennt.
Wer ein Live-Angebot sieht, das über diese Beispiele hinausgeht, etwa eine Wette auf den nächsten Korb oder den nächsten Punkt, hat damit ein Zeichen, aber keinen Beweis. Eine solche Wette entspricht nicht dem, was § 21 Abs. 4 zulässt. Ob ein konkretes Angebot in Deutschland zugelassen ist, lässt sich daran allein nicht entscheiden; maßgeblich ist die Whitelist der GGL.
Warum die Regeln so eng sind: Tempo und Suchtgefahr
Die GGL begründet die Beschränkung mit der Suchtgefahr: „Durch die Begrenzung der Live-Ereigniswetten wird der erhöhten Suchtgefahr Rechnung getragen.“ Als Ziel der Einschränkungen nennt sie außerdem, „die Suchtgefahr zu reduzieren sowie Kunden und Buchmacher vor dem hohen Risiko einfach zu manipulierender Wettmärkte zu schützen“. Die Begrenzung soll verhindern, dass „zu häufig gewettet wird“.
Eine Begründung des Gesetzgebers aus den Erläuterungen zu § 21 Abs. 4 liegt hier nicht vor. Die Begründung stammt deshalb von der Behörde, und sie wird in diesem Text auch als deren Begründung wiedergegeben.
Der Unterschied zwischen Wetten vor dem Anpfiff und Live-Wetten lässt sich am Tempo beschreiben. Vor dem Anpfiff fällt eine Entscheidung, danach bleibt das Warten auf das Ende der Partie. Live folgt auf eine Wette die nächste Gelegenheit, noch während dasselbe Spiel läuft, und zwischen einer verlorenen und einer neuen Wette liegen Minuten. Wie viele Wetten pro Spiel tatsächlich platziert werden und wie groß die Abstände sind, beziffern die ausgewerteten Quellen nicht. Die Beschreibung erklärt einen Mechanismus, sie ist kein Messwert.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist auf der Informationsseite zu Sportwetten ebenfalls auf das Suchtpotenzial von Live-Wetten hin.
Woran sich problematisches Wettverhalten erkennen lässt und wo es Hilfe gibt, behandelt ein eigener Beitrag. Wer für sich oder für andere sofort Rat sucht, erreicht die Telefonberatung zur Glücksspielsucht des BIÖG unter 0800 1 37 27 00, kostenlos und anonym (montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr). Auch online ist die Beratung über check-dein-spiel.de möglich.
Übertragung, Werbung und Live-Zwischenstände
Der Gesetzgeber behandelt auch die Verbindung von Übertragung und Wette. § 21 Abs. 4 Satz 1 GlüStV 2021 lautet: „Die Verknüpfung der Übertragung von Sportereignissen in Rundfunk und Telemedien mit der Veranstaltung oder Vermittlung von Sportwetten ist nicht zulässig.“
Hinzu treten Werbebeschränkungen in § 5. Unmittelbar vor oder während der Live-Übertragung eines Sportereignisses ist auf dem übertragenden Kanal keine Werbung für Sportwetten auf dieses Ereignis zulässig (§ 5 Abs. 3 Satz 2). Live-Zwischenstände dürfen nicht mit solcher Werbung verbunden werden; ausgenommen ist die Anzeige von Live-Zwischenständen zu Wettangeboten auf der eigenen Internetseite eines Wettanbieters (§ 5 Abs. 6 Satz 2). Diese Regeln betreffen Übertragung und Werbung, nicht die Frage, welche Wetten während des Spiels möglich sind; das regelt Satz 2.
Was die Regel nicht leistet – und woran sich Grenzen setzen lassen
§ 21 Abs. 4 legt fest, welche Arten von Wetten während des Spiels möglich sind. Eine Höchstzahl von Wetten, eine Zeitgrenze oder eine Obergrenze für den Einsatz enthält die Vorschrift nicht. Wer an einem Abend mehrmals auf Ergebnisse oder seltene Ereignisse wettet, bewegt sich innerhalb der Regel. Den Schutz vor übermäßigem Wetten übernehmen andere Instrumente. Einen Überblick über den Spielerschutz bei Sportwetten mit Limit, Sperre und Hilfe bietet ein eigener Beitrag. Vier Möglichkeiten, Grenzen zu setzen oder Hilfe zu holen:
- Einzahlungslimit. Das anbieterübergreifende Limit beträgt grundsätzlich höchstens 1.000 € im Monat und gilt auch für Sportwetten (§ 6c Abs. 1 und 9 GlüStV 2021). Es wird beim Anbieter eingerichtet; ein niedrigeres Limit wirkt sofort, eine Erhöhung erst nach sieben Tagen (§ 6c Abs. 3).
- Spielersperre in OASIS. Eine Selbstsperre beantragt eine Person für sich selbst. Sie gilt auch für Sportwetten. Das Sperrsystem OASIS führt das Regierungspräsidium Darmstadt.
- 24-Stunden-Sperre. Anbieter müssen eine Schaltfläche bereitstellen, über die sich eine Sperre von 24 Stunden auslösen lässt. Sie kommt vom Anbieter, die Entscheidung bleibt bei der Person.
- Das Gespräch. Die Telefonberatung des BIÖG ist unter 0800 1 37 27 00 kostenlos und anonym erreichbar. Sie steht Betroffenen ebenso offen wie Angehörigen.
Einzelheiten erläutern die Beiträge zum Einzahlungslimit bei Sportwetten und zur OASIS-Sperre bei Sportwetten. Hier gilt: Keines dieser Instrumente hängt davon ab, ob vor dem Anpfiff oder live gewettet wird.
Wenn jemand aus Ihrem Umfeld immer schneller wettet
Wer sich um einen Menschen sorgt, der immer häufiger und immer schneller wettet, muss nicht abwarten. Beratung gibt es auch ohne Sperre, ausdrücklich auch für Angehörige: Die Telefonberatung zur Glücksspielsucht des BIÖG ist unter 0800 1 37 27 00 kostenlos und anonym erreichbar, daneben per E-Mail und online über check-dein-spiel.de (Stand: Oktober 2026).
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Fremdsperre auch aufgrund von Meldungen Dritter erfolgen (§ 8a GlüStV 2021). Sie ist eine Möglichkeit mit Bedingungen, kein Schritt, den ein Gespräch ersetzt. Die Seite zum verantwortungsvollen Spielen fasst die Grundsätze zusammen. Die Regeln für Live-Wetten in Deutschland begrenzen die Art der Wette, nicht das Wetten selbst; Hilfe gibt es unabhängig davon. Dieser Text erklärt Regeln und Zahlen, eine persönliche Beratung ersetzt er nicht, eine Rechtsberatung ebenso wenig.