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Wetten auf Amateur- und Jugendsport: warum sie in Deutschland verboten sind

Am Rand des Spielfelds hält ein Mitspieler das Smartphone hoch und zeigt, dass sich auf das Spiel von eben wetten lässt. Einige finden das lustig, einer schaut länger hin als die anderen. Was in diesem Moment niemand ausspricht: Auf ein Spiel dieser Art sind Sportwetten in Deutschland nicht zulässig.

Darf in Deutschland auf Amateurfußball und auf Jugendspiele gewettet werden? Nein. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) lässt Sportwetten auf Ereignisse, an denen überwiegend Minderjährige oder Amateure teilnehmen, nicht zu; ausgenommen sind nur sportliche Großereignisse von nationaler oder internationaler Bedeutung. Für den Fußball nennt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) als Beispiel Wettbewerbe unterhalb der 3. Liga. Stand: 5. Oktober 2026. Wie dieses Verbot zum übrigen Spielerschutz bei Sportwetten passt, zeigt der Überblick zum Spielerschutz bei Sportwetten.

Was der Glücksspielstaatsvertrag 2021 zu Amateur- und Jugendsport sagt

Die Regel steht in § 21 Abs. 1a GlüStV 2021, und zwei ihrer Sätze sind für das Thema entscheidend. Satz 2 lautet: „Sportwetten auf Sportereignisse, an denen ausschließlich oder überwiegend Minderjährige beteiligt sind, sind unzulässig, es sei denn, es handelt sich um national oder international bedeutsame sportliche Großereignisse.“ Satz 3 überträgt das auf Amateure: „Gleiches gilt für Sportereignisse, an denen ausschließlich oder überwiegend Amateure teilnehmen.“ Stand des Vertragstextes: zuletzt geändert am 24. März 2022.

Wichtig ist, worauf das Verbot zielt. Es knüpft an das Ereignis an, also daran, wer auf dem Platz steht, und nicht an das Alter der Person, die wettet. Das Alter der Spieler auf dem Platz und das Alter der Person am Smartphone sind zwei verschiedene Fragen; für die zweite gibt es eine eigene Regel (siehe unten).

Ein Begriff fehlt: Was ein „Amateur“ im Sinne des Gesetzes ist, definiert der Staatsvertrag nicht. Dieser Beitrag legt deshalb keine eigene Definition fest, etwa über Vertrag, Bezahlung oder Spielberechtigung. Wo die Grenze für den Fußball verläuft, sagt die Aufsichtsbehörde, und darum geht es im nächsten Abschnitt. Das Verbot gilt für Wetten vor dem Anpfiff ebenso wie für Wetten während des Spiels.

Wo liegt die Grenze bei Wetten auf Amateurfußball?

Die GGL erklärt auf ihrer Seite zu den konkreten Spielerschutzmaßnahmen (aktualisiert am 21. Oktober 2025): „Es ist nicht erlaubt, Wetten auf Minderjährige oder Amateure (Im Fußball z.B. unterhalb der 3. Liga) zu platzieren.“ Das ist ein Beispiel der Behörde, wie das „z.B.“ zeigt, und kein Gesetzestext. Es ist trotzdem die einzige Grenze für den Fußball, die sich in den geprüften amtlichen Quellen findet.

Welche Wettbewerbe im Einzelnen zum erlaubten Programm gehören, regelt nicht der Vertragstext. Nach Angabe der GGL dürfen Wettanbieter ausschließlich Wetten auf die von der GGL festgelegten Sportereignisse anbieten. Die Listen dazu führt die Behörde selbst; eine einzelne Liga nennt dieser Beitrag deshalb nicht als erlaubt oder verboten. Für andere Sportarten ergibt sich die Grenze ebenfalls aus diesen Listen.

Welche Ausnahme gilt für Großereignisse?

Das Gesetz kennt eine Ausnahme: „national oder international bedeutsame sportliche Großereignisse“. Sie steht in Satz 2 und gilt über „Gleiches gilt“ auch für Amateure. Entscheidend ist auch hier das Ereignis, nicht der einzelne Teilnehmer.

Welche Ereignisse darunter fallen, zählt der Vertrag nicht auf. Die GGL nennt in ihrem FAQ zu Wetten auf Amateurligaspiele (20. August 2024) als Beispiele Weltmeisterschaften und Olympische Spiele; bei Olympia darf nach Angabe der Behörde auf alle Sportarten gewettet werden. Eine vollständige Liste der Großereignisse geben die geprüften Quellen nicht.

Warum der Staatsvertrag diese Spiele schützt

Eine amtliche Begründung speziell für Amateure nennt der Wortlaut nicht, die folgende Einordnung ist deshalb eine Auslegung. Sie stützt sich auf Satz 4 desselben Absatzes. Danach sind Sportwetten unzulässig, die „in erheblichem Maße anfällig für Manipulationen“ sind oder die Integrität des sportlichen Wettbewerbs gefährden; das betrifft insbesondere „Geschehnisse, die ein Teilnehmer eines Sportereignisses selbst willkürlich herbeiführen kann“. Satz 5 verbietet außerdem Wetten auf regelwidriges Verhalten und auf dessen Ahndung, etwa auf eine Karte oder einen Strafstoß nach einem Foul.

Dass der Staatsvertrag das Amateurverbot und das Manipulationsverbot in denselben Absatz stellt, legt nahe, dass der Schutz des Wettbewerbs im Mittelpunkt steht. Naheliegend ist die Vermutung, dass in kleinen Wettbewerben wenige Personen den Ausgang bestimmen und ein Eingriff dort leichter fällt; das ist eine Auslegung, keine Aussage der Gesetzesbegründung. Die GGL begründet die Beschränkungen bei Sportwetten insgesamt damit, Kunden und Buchmacher „vor dem hohen Risiko einfach zu manipulierender Wettmärkte“ zu schützen. Zahlen oder Fälle zu Manipulationen im Amateursport nennen die geprüften Quellen nicht; darauf stützt sich dieser Beitrag nicht.

Eine Wette auf die eigene Liga kann sich harmlos anfühlen, wie ein Tipp unter Mannschaftskollegen. Gerade das ist der Punkt: Wer am Spiel beteiligt ist, wettet nicht auf ein Spiel, sondern auf Menschen, die er kennt und die er beeinflussen kann.

Dürfen Beteiligte auf das eigene Spiel wetten?

Neben dem Verbot für Anbieter gibt es ein zweites, das sich an Personen richtet. Nach § 21 Abs. 3 Satz 2 GlüStV 2021 dürfen „Beteiligte, die direkt oder indirekt auf den Ausgang eines Wettereignisses Einfluss haben, sowie von diesen Personen beauftragte Dritte“ weder Sportwetten auf den Ausgang oder den Verlauf des Ereignisses abschließen noch Sportwetten durch andere fördern. Das gilt unabhängig von der Liga. Wer in einer Mannschaft spielt, sie trainiert oder leitet, wettet also nicht auf das eigene Spiel, auch nicht über Freunde. Ob der Wortlaut darüber hinaus weitere Spiele der eigenen Liga erfasst, lässt er offen.

Dass dieses Verbot mehr ist als eine Erklärung, zeigt der Vertrag selbst. Anbieter nehmen an einem unabhängigen Frühwarnsystem teil und unterrichten die Behörden unverzüglich über Auffälligkeiten (Abs. 3 Satz 3 und 4). Nach Abs. 6 dürfen Wettanbieter und Veranstalter von Wettbewerben zur Kontrolle des Verbots Namen und Geburtsdaten der Wettbewerbsbeteiligten verarbeiten.

Das Strafrecht ist ein eigenes Feld; ein kurzer Hinweis gehört trotzdem hierher. § 265c StGB regelt den Sportwettbetrug. Strafbar ist dort nicht die Wette selbst. Strafbar machen sich Sportler oder Trainer, die einen Vorteil fordern, sich versprechen lassen oder annehmen, damit sie einen Wettbewerb des organisierten Sports zugunsten des Gegners beeinflussen und dadurch ein rechtswidriger Vermögensvorteil durch eine öffentliche Sportwette erlangt wird. Ebenso wird bestraft, wer einen solchen Vorteil anbietet, verspricht oder gewährt. Vorgesehen sind Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Die Vorschrift bezieht sich auf Wettbewerbe des organisierten Sports und ist nicht auf den Profisport beschränkt. Daneben kennen die Sportverbände eigene Wettverbote in ihren Ordnungen; maßgeblich ist die Ordnung des jeweiligen Verbands.

Minderjährige: zwei Verbote, die oft verwechselt werden

Bei Minderjährigen treffen zwei Regeln aufeinander, die verschiedene Fragen beantworten. Die erste betrifft das Spiel: Auf Begegnungen, an denen überwiegend Minderjährige teilnehmen, sind Sportwetten unzulässig (§ 21 Abs. 1a Satz 2). Die zweite betrifft die Person: Die Teilnahme von Minderjährigen an Glücksspielen ist unzulässig, und Veranstalter und Vermittler müssen sicherstellen, dass sie ausgeschlossen sind (§ 4 Abs. 3). Das Mindestalter von 18 Jahren nennt zusätzlich § 6e Abs. 3.

VerbotWen es trifftFundstelle
Keine Wetten auf Ereignisse mit überwiegend Minderjährigen oder AmateurenAnbieter, die solche Wetten nicht anbieten dürfen§ 21 Abs. 1a GlüStV 2021
Keine Wetten auf das eigene EreignisBeteiligte, die Einfluss auf den Ausgang haben§ 21 Abs. 3 GlüStV 2021
Keine Teilnahme von Minderjährigen am GlücksspielMinderjährige; Anbieter müssen sie ausschließen§ 4 Abs. 3 GlüStV 2021

Zur Einordnung hilft eine Zahl, die mit Vorsicht zu lesen ist. Im Glücksspiel-Survey 2025 gaben 1,0 Prozent der befragten 16- und 17-Jährigen an, in den vergangenen zwölf Monaten Sportwetten mit festen Quoten gespielt zu haben, bei Live-Wetten ebenfalls 1,0 Prozent. Die Gruppe umfasst nur 237 Befragte, der Wert ist deshalb als Hinweis zu lesen, nicht als genaue Größe. Für alle Glücksspiele um Geld zusammen nannte jede neunte Person dieser Altersgruppe (11,6 Prozent) eine Teilnahme; das betrifft sämtliche Spiele, nicht nur Sportwetten.

Was das im Verein bedeutet

Im Vereinsalltag stehen drei Gruppen vor derselben Regel, und jede hat einen anderen Ansatzpunkt. Hier lässt sich eingreifen, wenn jemand rechtzeitig hinsieht.

Für Spieler: Das eigene Spiel ist für Wetten immer tabu (§ 21 Abs. 3). Taucht in einer App eine Wette auf das eigene Spiel unterhalb der 3. Liga auf, ist das für sich genommen ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um ein Angebot mit deutscher Erlaubnis handelt. Wer merkt, dass das Wetten zu viel Raum einnimmt, kann sich über das Spielersperrsystem OASIS sperren lassen, das das Regierungspräsidium Darmstadt führt. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag wie die OASIS-Sperre bei Sportwetten funktioniert.

Für Trainer und Vereinsvorstände: Es hilft, früh über das Thema zu sprechen, bevor etwas passiert. Besteht der Verdacht auf Manipulation, kommt der zuständige Verband als Ansprechpartner infrage; die GGL ist nach eigener Angabe die Stelle für Meldungen von Manipulationsversuchen.

Für Eltern: Wetten Minderjährige, ist das unabhängig von der Liga nicht zulässig (§ 4 Abs. 3). Eltern müssen nicht warten, bis ihr Kind darüber spricht. Die Telefonberatung zur Glücksspielsucht des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist unter 0800 1 37 27 00 kostenlos und anonym erreichbar und richtet sich ausdrücklich auch an Angehörige. Hilfe für Eltern und Angehörige beschreibt der Beitrag Hilfe für Eltern und Angehörige, wenn jemand in der Familie wettet.

Wo solche Wetten trotzdem angeboten werden, ist das ein Merkmal und kein Beweis. Eine Wette auf Amateurfußball unterhalb der 3. Liga gehört zu den Zeichen, die auf ein Angebot ohne deutsche Erlaubnis hindeuten; verlässlich entscheidet die Whitelist der GGL. Die GGL weist darauf hin, dass in Deutschland ausschließlich Erlaubnisse deutscher Behörden gültig sind und beworbene ausländische Lizenzen keine Relevanz haben. Ein einzelnes Angebot beurteilt dieser Beitrag nicht.

Kurz gefasst: Was für Spieler, Vereine und Eltern gilt

Drei Dinge bleiben. Erstens gilt das Verbot für die Ereignisse, nicht für das Alter der Wettenden: Wetten auf Amateurfußball unterhalb der 3. Liga und auf Jugendspiele sind unzulässig, Großereignisse ausgenommen. Zweitens ist das eigene Spiel für Beteiligte immer tabu, unabhängig von der Liga. Drittens schützen beide Regeln nach dieser Auslegung einen Wettbewerb, in dem wenige Menschen über den Ausgang entscheiden.

Wer sich um einen Menschen sorgt, der immer häufiger wettet, muss nicht abwarten, bis die betroffene Person selbst etwas unternimmt. Beratung gibt es auch ohne Sperre, ausdrücklich auch für Angehörige: Die Telefonberatung des BIÖG unter 0800 1 37 27 00 ist kostenlos und anonym erreichbar (Stand: Oktober 2026). Allgemein zum Thema verantwortungsvolles Spielen gibt es eine eigene Seite. Dieser Beitrag informiert und ist keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen zu Wetten auf Amateur- und Jugendsport

Darf in Deutschland auf Amateurfußball gewettet werden?

Nein. Nach § 21 Abs. 1a GlüStV 2021 sind Sportwetten auf Ereignisse unzulässig, an denen ausschließlich oder überwiegend Amateure teilnehmen, außer bei sportlichen Großereignissen von nationaler oder internationaler Bedeutung. Die GGL nennt als Beispiel den Fußball unterhalb der 3. Liga.

Ab welcher Liga sind Fußballwetten in Deutschland erlaubt?

Der Staatsvertrag nennt keine Liga. Die GGL führt als Beispiel für nicht erlaubte Wetten den Fußball unterhalb der 3. Liga an (Seite aktualisiert am 21. Oktober 2025). Welche Wettbewerbe im Einzelnen zum Programm gehören, legt die Behörde in eigenen Listen fest.

Sind Wetten auf Jugendspiele verboten?

Ja. Sportwetten auf Ereignisse, an denen ausschließlich oder überwiegend Minderjährige beteiligt sind, sind nach § 21 Abs. 1a Satz 2 GlüStV 2021 unzulässig, außer bei sportlichen Großereignissen von nationaler oder internationaler Bedeutung.

Dürfen Spieler auf das eigene Spiel wetten?

Nein. Beteiligte, die direkt oder indirekt auf den Ausgang eines Wettereignisses Einfluss haben, dürfen nach § 21 Abs. 3 GlüStV 2021 weder auf Ausgang oder Verlauf wetten noch Wetten durch andere fördern. Das gilt unabhängig von der Liga.

Warum sind Wetten auf Amateurfußball verboten?

Der Vertragstext nennt dazu keine eigene Begründung. Im selben Absatz verbietet er Wetten, die in erheblichem Maße anfällig für Manipulationen sind, und die GGL beschreibt den Schutz vor leicht zu manipulierenden Wettmärkten als Ziel. Dass Amateurspiele deshalb geschützt werden, ist eine Auslegung.

Gibt es Ausnahmen für große Turniere?

Ja. Ausgenommen sind national oder international bedeutsame sportliche Großereignisse (§ 21 Abs. 1a Satz 2 GlüStV 2021). Die GGL nennt als Beispiele Weltmeisterschaften und Olympische Spiele; bei Olympia darf auf alle Sportarten gewettet werden.

Was können Vereine tun, wenn in der Mannschaft gewettet wird?

Früh und offen darüber sprechen. Bei Verdacht auf Manipulation sind der Verband und die GGL als Meldestelle Ansprechpartner. Wer wegen des eigenen Wettens Hilfe sucht, kann sich über OASIS sperren lassen oder die BIÖG-Telefonberatung unter 0800 1 37 27 00 nutzen, kostenlos und anonym.

Ab welchem Alter sind Sportwetten erlaubt?

Ab 18 Jahren. Die Teilnahme von Minderjährigen am Glücksspiel ist nach § 4 Abs. 3 GlüStV 2021 unzulässig, das Mindestalter von 18 Jahren nennt auch § 6e Abs. 3.

Quellen

Stand: 5. Oktober 2026. Gesetzestexte nach lxgesetze.de, einem nicht amtlichen Abdruck des Vertragstextes.

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